Dienstag, 2. Januar 2018

What is Christmas even?

“Out upon Merry Christmas! What’s Christmas time to you but a time for paying bills without money; a time for finding yourself a year older, but not an hour richer…? If I could work my will,” said Scrooge indignantly, “every idiot who goes about with ‘Merry Christmas’ upon his lips should be boiled with his won pudding, and buried with a stake of holly through his heart. He should!”

– Ebenezer Scrooge from "A Christmas Story", Charles Dickens

Keine Aussage könnte die Haltung vieler Menschen gegenüber die Weihnachtszeit besser beschreiben. Jedenfalls beschreibt sie meine Laune gegenüber dem Fest, wenn auch etwas übertrieben. Ich bin zwar zum Glück nicht der Meinung, dass jeder, der «Frohe Weihnachten» sagt, zusammen mit seinem Pudding gekocht werden muss. Aber andererseits geht mir die Weihnachtsmusik, die schon vor Halloween in den Kaufhäusern erklingt, schon ziemlich auf die Nerven. Schon Anfang September erblickte ich im Migros die ersten Packungen mit Weihnachtsgebäck – und musste mir wiedermal die Bedeutung dieses Festes in den Sinn rufen.


Der Sinn von Weihnachten ist eigentlich die Geburt von Jesus, dem Sohn Gottes, zu feiern. Wie daraus ein Riesengeschäft wurde, ist mir irgendwie schon klar, auch wenn es ein wenig schade ist. Denn dadurch geht die Essenz von Weihnachten etwas verloren. Versteht mich nicht falsch, ich mag Weihnachten, ich mag es, Geschenke für andere zu kaufen, ich mag es, unseren Weihnachtsbaum zu schmücken, und ich mag es, an Heiligabend Weihnachtslieder zu singen und meine eigenen Geschenke auszupacken.

Aber was mich im Hintergrund immer mehr stört ist, dass alle so tun, als ob die Weihnachtszeit eine Zeit ist, in der alles perfekt sein sollte, alle friedlich miteinander sind, und niemand mit niemanden Probleme hat, und alle Sorgen vergessen sind. In Filmen oder Bilderbüchern wird Weihnachten als zauberhaft und wunderschön porträtiert. In allen Läden und Kaufhäusern wird Weihnachten benutzt, um möglichst viel Gewinn zu erzielen. Es wird versucht, mit lebhafter Musik und farbenprächtiger Deko eine gewisse Vorfreude oder glückliche Stimmung hervorzurufen – doch dies klappt zumeist nicht.

Eigentlich sollten wir angespornt sein mehr Zeit füreinander zu nehmen, uns ein wenig vom Alltag zu distanzieren, und mit Vorfreude und Aufregung erfüllt zu sein. Doch das Gegenteil passiert: Wir sind nur missmutig und etwas gereizt, da wir eigentlich nur Ferien wollen, aber trotzdem gibt es noch so viel, was wir noch nicht erledigt haben. In den Einkaufshäusern sieht man nur gereizte Menschen, die von einem Laden zum nächsten hetzen, um ein Geschenk für ihre Liebsten zu kaufen. Dabei halten sie plärrende Kinder im Arm, welche nur müde sind und nicht gerne einkaufen gehen (so wie ich vor 14 Jahren). Die Schule regt einen auf, da man sich eigentlich zurücklehnen will, doch es steht so viel an. Und wir gehen einander auch ein bisschen auf die Nerven. Wir wollen Weile haben, und stattdessen haben wir nur Eile.

Mehr und mehr merke ich, dass die "perfekten" Weihnachten nur eine Lüge sind. Eigentlich stressen alle nur herum, um anderen Freude zu bereiten, damit man selber ein Gefühl der Genugtuung erreicht. Und diese "Anderen" stressen sich ebenfalls, aber sie tun es auch nur, damit sie eine Art Befriedigung bekommen. Alle wollen einander Freude machen, damit sie selber Freude bekommen, und deswegen stresst man sich und stresst man die anderen.

Meine Haltung zu Weihnachten war aber nicht immer so, überhaupt nicht. Vage erinnere ich mich daran, dass ich als kleines Kind schon im Oktober, ja – im Oktober, angefangen habe, Weihnachtslieder zu singen und Geschenke für meine Freunde zu basteln. Damals war Weihnachten das Tollste und Beste im ganzen Jahr. Ich zählte die Tage bis Heiligabend und konnte es kaum erwarten. An Heiligabend war ich überaus aufgeregt und sprang den ganzen Tag auf und ab – Morgen war ja Weihnachten!

Mit jedem weiteren Lebensjahr merkte ich, dass Weihnachten eigentlich doch nicht so toll war. Ich merkte, dass alle Erwachsenen um mich herum unter Druck standen und ein ausgelaugtes Gemüt hatten. Mir fiel auf, dass es in meinem Umkreis immer gewisse Spannungen und Konflikte zwischen einigen Menschen gab, die für Unruhe sorgten. Aber genau am 25. Dezember wurde sehr krampfhaft versucht, diese Konflikte unter dem Teppich zu kehren. Dies funktionierte nur mit mässigem Erfolg. Dann realisierte ich, dass Weihnachten nur ein weiterer Tag von 365 (oder 366) Tagen war, und dass nichts an dem Tag anders sein sollte als sonst. Wenn man das ganze Jahr über ein Problem hat, hat man dieses Problem auch an Weihnachten. Ist man das Jahr über fröhlich, ist man dies an Weihnachten auch.

Was ich früher auch hatte, war diese sogenannte «Weihnachtsstimmung». Ich bin mir nicht sicher, ob ihr genau wisst, welches Gefühl ich meine, darum gebe ich mein bestes, dieses Gefühl zu umschreiben. Es ist ein sehr feierliches, reines Gefühl, vermischt mit Vorfreude und Entspannung. Diese Stimmung verspürt man zum Beispiel auch, wenn man zum ersten Mal ein neues Kleid anzieht und genau weiss, dass alles perfekt passt und gut aussieht. Jedenfalls habe ich diese Stimmung als Kind immer gehabt, und dies zeigt, dass Vorfreude wirklich die beste Freude ist. Als kleines Kind freute ich mich wie schon gesagt im warmen Oktober auf die Weihnachten und diese Weihnachtsstimmung empfand ich sehr oft. Dies steht im Gegensatz zu diesem Jahr, wo ich mir wünschte, dass Weihnachten sich verspätet, damit ich noch schnell meine Geschenke zusammensuchen kann.


Ich habe auf Instagram viele Memes über Weihnachten angeschaut, und einige Kolumnen über Weihnachten gelesen. Diese bekräftigen meine These, dass viele Menschen das ganze Drama um Weihnachten nicht schätzen. Ich glaube, viele Leute fühlen sich einfach unter Druck gestellt, wenn sie in Zeitschriften Bilder von perfekten, statisch lächelnden Menschen am perfekten Weihnachtstisch sehen. Oder wenn sie auf Facebook oder Instagram Posts von anderen Leuten sehen, was diese zu Weihnachten verschenken oder bekommen. Oder wenn sie im Internet Artikel über das perfekte Weihnachtsdinner ansehen und realisieren, dass sie nicht kochen können. Und sie schauen darauf ihr eigenes Leben an und merken, dass nichts so sein wird wie auf den Bildern.


Ich glaube, dass sich das Gefühl, nicht genug glücklich und gut zu sein, in unser Unterbewusstsein einschleicht und schliesslich von uns Besitz ergreift. Dies hat nicht damit zu tun, dass wir bei Google "Christmas ideas" eingegeben haben, sondern damit, dass wir alle zu unsicher sind und nicht sicher sind, ob das, was wir tun, das Richtige ist.

Nun habe ich lang genug geschwafelt – ich hoffe, ihr habt meine Kernaussage mitbekommen. Wenn nicht, hier nochmals:

Viele Menschen empfinden eine gewisse Abneigung gegenüber Weihnachten: Man erwartet nämlich, dass alles perfekt wird. Aber im Real Life gibt es Pannen, welches zwar nicht weiter schlimm ist, einen aber frustriert und enttäuscht.

Schein ist nicht sein. Sich nicht fragen, warum sein Leben nicht perfekt ist. Nichts ist perfekt, und nichts ist so, wie es aussieht.

Wir erwarten, dass Weihnachten schön ruhig ist, aber man ist bis zum Halse im Stress versunken.

"A Christmas Carol" ist ein gutes Buch, unbedingt lesen!


Und um diesen Post mit einer glücklichen Note zu beenden, gibt es nochmals ein Zitat:

“As we struggle with shopping lists and invitations, compounded by December’s bad weather, it is good to be reminded that there are people in our lives who are worth this aggravation, and people to whom we are worth the same.”
– Donald E. Westlake


Gutes Neues Jahr!

Kommentare:

  1. Ihr Beitrag berührt mich sehr, weil er aus tiefstem Inneren kommt und eine Art Geschichte kumulierter Enttäuschung erzählt. Man weiß ja auch genau, wovon Sie sprechen, kennt die Problemlage, kennt auch die Klage. dennoch gelingt es Ihnen, sie sprachlich so zu formulieren, dass sie frisch auf mich wirkt. frisch und ernsthaft und etwas traurig.
    Was sich dem Kind mit der beschränkten Weltwahrnehmung und -erfahrung noch als neu und in Watte gepackt darbietet – der Weihnachtszauber, die Lieder schon im Oktober! –, wird mit zunehmender Wiederholung und erweiterter Wahrnehmung getrübt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Diesen blöden alten Satz kann man hier ganz gut verwenden, um die Entzauberung der (Kinder-)Welt zu beschreiben, wie Sie sie nacherzählen. Der Einstieg mit Charles Dickens ist toll, man würde gerne für Sie betonen, dass Weihnachten also schon vor fast 200 Jahren schon ein Geschäft war und ein Problem. Von wegen die gute alte Zeit.

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  2. PS Der Kommentar ist von Ihrem ADGM-Lehrer ;) Blogger hat meine Passworte von Wordpress und Google heute nicht sofort akzeptiert und ich wollte jetzt nicht lange rumtüfteln :D , deshalb anonym.

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